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eine erkenntnis: ich habe jetzt oft, d.h. sicher für ca. 4-5 wochen, im sitzen geübt und dabei den schallbecher auf den oberschenkel aufgestützt. heute habe ich das erste mal wieder frei im stehen gespielt. und ich war geschockt, wie schmerzhaft das war.noch mehr geschockt hat mich aber die tatsache, dass ich genau an der stelle unmittelbar neben der wirbelsäule extreme schmerzen und ein unangenehmes "ziehen" hatte, an der meine physiotherapeutin festgestellt hatte, dass von dort her meine ohrgeräusche/tinnitus/hörsturze seinen anfang nahmen.
das bringt mich wieder einmal zu den fakten: unsere gesundheit nehmen wir musiker oft viel zu locker, bis halt dann einmal was passiert (->hörsturz).
jetzt meine frage: wer kümmert sich beim üben regelmäßig um den körperlichen ausgleich, d.h. dehnungsübungen, übungen für den rücken, usw.
oder ist es doch die mehrheit, die denkt: "dafür hab ich keine zeit."?
bringt ihr euren schülern auch bei, sich um euren körper zu kümmern? die tatsache, dass niemand auf meinen "hornstick"-topic geantwortet hat, beweist mir, dass das thema wirklich in unserer zeit oft noch unter den teppich gekehrt wird. schockierend eigentlich.
was meint ihr?
 

6 Antworten

zu Gesundheitliche Belastung durch Hornspielen
19.02.2012 French_Horn
Hallo Sylvihoorn,

wir kennen uns zwar nicht aber wenn Du sagst, dass Du das Horn beim üben mit dem Schallbecher auf dem Bein abstützt, dann wundert es mich überhaupt nicht, wenn Du körperliche Probleme und Schmerzen bekommst. Ich kenne niemanden bei dem dies nicht zu einer total unnatürlichen und schiefen Körperhaltung führen würde. und somit nach kurz oder lang zu Schmerzen.
Sicher ist Sport als Ausgleich wahnsinng wichtig (Schwimmen und Krafttraining finde ich für uns Hornisten am sinnvollsten, zzgl. zu den auch von Dir genannten Dehnungsübungen, welche man wunderbar zwischen den Übeeinheiten machen kann), aber eine natürliche Körperhaltung ist zunächst das Wichtigste, sprich aufrecht sitzen oder stehen und dabei nichts im Körper verdrehen. Sollte das Horn vom Gewicht her zu schwer sein, z.B. bei Schülern die körperlich noch nicht ausgewachsen sind, sollte man nach einer leichteren Alternative schauen (einfaches B- oder F-Horn, Kinderhorn oder kompensiertes Doppelhorn).
Einen von Dir genannten "hornstick" habe ich noch nicht in der Hand gehalten und kann daher dazu nichts sagen, ich denke aber, dass man auch schon mit der passenden Hornwahl sowie einer gesunden Körperwahrnehmung viel erreichen kann.

19.02.2012 sylvihoorn
Hallo French horn,
vielen Dank für die Antwort!
Und:
vielen Dank für das "Rügen", was meine Haltung betrifft.
Natürlich weiß ich, welche Haltung man beim Hornspielen haben sollte..immerhin hab ich ja auch lange genug studiert. Da ich in letzter Zeit nur mit Übedämpfer üben konnte (Wohnung), hab ich halt meine Haltung kurzfristig umstellen müssen. Im Stehen mit Übedämpfer funktioniert nicht.
Nach meiner gestrigen Übeeinheit (2 Stunden, ohne Übedämpfer, im Stehen) bin ich natürlich (wie auch schon vorher) wieder voll und ganz der Ansicht, dass nur das die richtige Position zum Üben sein kann.
Ich wollte mit meiner Erkenntnis nur beweisen, welches unglaubliches Gewicht wir beim Üben, manchmal über mehrere Stunden, halten. Die doppelte Belastung durch unsere asymetrische Haltung UND zusätzlich das hohe Gewicht beeinträchtigen unsere Haltung sehr.
Umso überzeugter bin ich davon, dass man dem nur mit Dehnungsübungen, Sport und eventuell einem "Hilfsmittel", wie dem hornstick entgegenwirken kann. Wer also interessiert ist, ich würde wieder einen bestellen.....
Wers noch nicht kennt: www.hornstick.nl
lg

19.02.2012 French_Horn
Klingt einwenig so, als würden Sie hier lieber Werbung für ein Produkt machen wollen.

19.02.2012 sylvihoorn
Ich bin sehr überzeugt von der übehilfe,deswegen kann und will ich diesen hornstick auch bewerben.

06.08.2015 ursula.aumueller

Ich bin gerade auf dieses sehr interessante Thema gestoßen- damit meine ich nicht den Hornstick sondern die gesundheitliche Belastung durch Hornspielen.

Ich habe mich im letzten Jahr mit diesem Thema sehr intensiv auseinandergesetzt und kann nur jedem einzelnen auch dazu raten, denn oft übersieht man das Offensichtliche: 

Unser Körper ist mehr oder weniger symmetrisch ausgerichtet. Bei Hornisten ist generell eine verkürzte linke Schultergürtelmuskulatur mit freiem Auge erkennbar. Die rechte Seite wird überdehnt. 

Was den Rücken betrifft spaltet sich die hornspielende Gesellschaft in die Rundrücken- und in die Hohlrückenfraktion. 

Beim Rundrücken schieben sich die beiden Schlüsselbeine in das Brustbein. Somit wird der Druck auf das Brustbein erhöht und es kann zu einer sternocostalen Belastung kommen (sternum = Brustbein, costal= die Rippen betreffend). Schmerzen im Brustbein, in den Rippe, in der Brustwirbelsäule und eine eingeschränkte Atemkapazität  sind die Folge. Die Muskeln rund um den Rundrücken werden zu sehr gedehnt, jene im Brustbeinbereich verkürzt. Man spricht von muskulären Dysbalancen, also von der Unausgeglichenheit der Muskeln.

Oft kommt es noch zu einem zusätzlichen "Vorstrecken" des Halses und somit zu einer Überlastung der Halswirbelsäule (Knick). Hier wird beispielsweise das im Kehlkopf liegende Zungenbein, welches über Muskeln dort befestigt ist, durch die nun verpannten Muskeln bei seiner   Arbeit (Beweglichkeit der Zunge) eingeschränkt. Dies hat nicht nur Schmerzen im Kopf und im Halswirbelsäulenbereich zur Folge, sondern kann auch den schönen und vor allem schnellen Stoß beim Hornspielen erschweren bzw verhindern. 

Die Fraktion der "Hohlrückler" klagt logischerweise oft über Probleme in der Lendenwirbelsäule. Hier gilt Ähnliches: Muskeln im Lendenwirbelsäulenbereich werden verkürzt, Muskeln im Bauchbereich überdehnt. 

Dies sind nur wenige Beispiele von gesundheitlichen Überlastungen die bei Hornisten eintreffen können. 

Zum Ausgleich rät man zu Sport,  was sich auf Dauer als sehr hilfreich erweist- besonders bei gezieltem Trainig der betreffenden Muskelgruppen. Physiotherapeuten können helfen solch ein Training zu erstellen- allerdings bedarf es hier auch dem eignen Wissen (es gibt auch Physiotherapeuten die keine Hornisten sind ;-)) 

Aber viel wichtiger ist das Bewusstsein des Körpers, das Wissen über mögliche Überlastungen, die beim Hornspielen auftreten können und die Erkenntnis des Ursprungs der Schmerzen. 

Um solche Fehlhaltungen  und folgende Schmerzen verhindern zu können, kann es durchaus helfen, während Pausen bzw vor und nach dem Spielen leicht in die Gegenbewegung zu gehen, um das Gefühl für die Achse, unsere Symmetrie erneut zu gewinnen. Somit können die "Muster" gebrochen werden und die Muskeln können zurück in ihren Ursprung kommen. Während dem Spielen sollte man ab und zu auf die Haltung achten: Strecke ich den Kopf zu weit nach vorne? Falls ja, versuche ich mich aufzurichten. Die Halswirbelsäule sollte keine zu große Mulde bilden. Es kann helfen das Kinn leicht nach unten zu senken. Eine gute Grundspannung des Körpers ist für dies alles von großer Wichtigkeit.

Oft gehen wir auch während des Spielens zu sehr aus unserer Körperachse beckenabwärts heraus, was dauerhaft natürlich auch zu Schäden führen kann. Erkennbar an der Fuß- bzw Beinstellung: der rechte Fuß zeigt meist in Richtung 2 Uhr. Allein das "Geraderücken" des Beines und Fußes nach vorne können schon helfen, um zurück in die Achse zu finden und zukünftige Schmerzen durch dauerhafte "Fehlstellung" zu verhindern.

Fast bei allen Hornisten sind diese sogenannten "Dysbalancen" präsent. Mit gutem Körperbewusstsein werden diese meistens unterbewusst ausgeglichen. 

Junge, angehende Hornisten in den ersten Studienjahren vernachlässigen dies oft, da es meistens gesundheitlich keinen Anlass gibt, um sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Aus diesem Grund hätte es sicherlich keinen Schaden, wenn man schon in der Musikschule  auf diese eventuell auftretenden physischen Überlastungen hinweißt. Man braucht nicht unbedingt technische Hilfsmittel dazu- die aufmerksame Wahrnehmung reicht vollkommen aus, solange keine dauerhaft anhaltenden Schmerzen auftreten. 

Schon oberflächliche "anatomische" Kenntnisse können helfen Überlastungen und somit Schmerzen vorzubeugen. Jene können aber auch generell positive Auswirkungen auf das Hornspielen haben. Ein Gefühl und ein Bewusstsein über Zungenbein, Kehlkopf, Stimmbänder, Lungenflügel, Zwerchfell, Zwerchfellschenkel und Iliopsoas (Haupaufrichtungsmuskel), welche alle eng mit der Atmung verbunden sind, können zu freier Atmung, Leichtigkeit im Spiel und Stoß und zu großem und dichtem Klangvolumen führen. 

Also: Kaufet  Anatomiebücher ;-)








Liebe Ursula!

Dein Beitrag ist wirklich gut und sehr umfangreich!  Kannst du mir kurz ein paar konkrete Tipps geben, auf was ich bei meiner Horn-Haltung besonders aufpassen muss? Hast du noch mehr Beispiele für Haltungsmuster, die man unbedingt vermeiden sollte?

Was haltest du von der Alexander-Technik? Hat jemand Erfahrung damit?

Liebe Grüße


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