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Hallo, ich hätte da ein Thema, das mich persönlich auch sehr betrifft und belastet. Das , zumeist totgeschwiegene Problem des Lampenfiebers und der Auftrittsangst.
Ich erzähl euch einmal von meinem "Fall"...ich habe Horn studiert, abgeschlossen und bin freischaffend tätig, sowie auch als Lehrer. Begonnen hat mein Problem schon im Studium, Leistungsdruck, Konkurrenz ,teilweise unpädagogische Lehrer (Gickser verteufeln usw) und einige negative Erlebnisse mit Kollegen, Dirigenten usw, haben dieses Problem bei mir manifestiert. Meine Nervosität zeigt sich nicht nur durch Aufregung oder leichtes Zittern, sondern dadurch, dass bestimmte Stellen, teilweise nur ausgehaltene Töne quasi eine Panik auslösen und unspielbar werden (Auf gut Deutsch reissts mich dann plötzlich wie bei einem Schüttelfrost) . Das Problem hat sich in den letzetn Jahren verschärft...zB längere Solotöne waren früher kein Problem, aber wo neue Probleme auftauchen beginnt man schon zu suchen und zu überlegen, wo die nächsten "Angststellen" lauern könnten. Es ist nicht so die Angst vor Kicksern, eher die Angst vor der Angst, zu zeigen ,dass man nervös ist, sich zu blamieren, wo auch immer...im Kammermusikensemble, im Orchester, ganz egal...
Jetzt weiß man ja, auch wenn darüber "nicht gesprochen wird", dass viele Berufsmusiker Medikamente nehmen müssen, das ist ein offenes Geheimnis...auch kenne ich einige Hornisten, die aufgrund von "Krisen" (so werden dann psychische Probleme getarnt) aufhören mussten. Klarer Fall von Nervenkrise und Ende der karriere, ich kenne das zu gut, zum Glück bin ich nicht restlos vom Spielen abhängig.
Aber ich will nicht aufgeben....habe auch schon fast alles versucht...Kinesiologie, Psychotherapie, Musiktherapie , verschiedene andere Techniken (Klopftechnik....) Nichts hilft, denn am Podium ist man mit sich selbst alleine und wenn man das Vertrauen in sich verloren hat, ist es ein Kampf gegen Windmühlen. Es ist reine Selbstsabotage, denn in meinem Fall will niemand mir Böses, konnte ich meine Angst vor Kollegen und allen anderen bisher gut verbergen, sind mir alle wohl gesonnen (was im Studium und in der studentischen bzw schulischen Konkurrenz absolut nicht der Fall war)...ich mache mich nur selber fertig.
Mein letztes Hilfsmittel ist bzw war in letzter Zeit Lexotanil, ein Angsthemmer...kennt das wer ? Was wirds sonst noch genommen ? Oder gib es noch irgendeine Chancen da wieder rauszukommen?
Ich bin für alle Fragen offen und freue mich über eine hilfreiche Diskussion...Beiträge wie "Scheiss die Nix", "Blos afoch eine" oder "Du musst dich nur trauen" sind überflüsslig, wenn es so einfach wäre, dann hätte ich das Problem nicht. Die Sache sitzt im zentralen Nervensystem und ist eine krankheit, dessen bin ich mir bewusst. Das dumme Gerede ländlicher lokaler Größen "Der is a Schwitza" kenne ich ;-)...glücklich, wer diese Probleme nie hatte und befreit mit Freude musizieren kann
Euer AndreaPirlo (aber nicht aus Italien^^)
 

4 Antworten

zu Lampenfieber und eure Erfahrungen
10.10.2014 Arnold
Hallo Andrea,

Versuch mal Kontakt mit Thomas Hauschild aufzunehmen. Hauschild ist ein sehr erfahrener Pädagoge, der die meisten Hornprobleme kennt und auch Lösungen dafür. Hauschild unterrichtet an der Musikhochschule in Leipzig. LG



10.10.2014 Matthias5001

Hallo Andrea, ich weiß nicht ob dir das helfen kann jedoch gäbe es noch die Möglichkeit, diese Angst mit einer Hypnosetherapie wegzubekommen. Meiner Meinung nach ist das ähnlich wie eine Spinnenphobie. Dein bewusstsein weiß, dass du eigentlich keine Angst haben musst, da diese tiere viel kleiner sind, wenn du jedoch eine siehst, so zuckst du automatisch zurück ohne überhaupt denken zu können, da das im Unterbewusstsein gespeichert ist. Das Unterbewusstsein reagiert schneller als du denken kannst und gibt diese angst dann ans bewusstsein weiter. Dieser Zustand lässt sich jedoch mit Hypnosetherapie behandeln, das ist mehrfach bewiesen und funktioniert auch. Ich könnte mir vorstellen, dass das auch in deinem Fall vielleicht helfen könnte und bevor du laufend Medikamente nehemen musst und auch sonst schon alles ausprobiert hast, wäre das vielleicht noch einen letzten Versuch wert. Ich kann dir da nur David Woods aus Augsburg wärmstens ans Herz legen. Der hat wirklich sehr viel Erfahrung mit solchen Therapien.

Schöne Grüße und alles Gute

Matthias


Hallo!

Selbst habe ich mich recht intensiv mit dem Thema Nervosität beschäftigt und finde den Ansatz vom amerikanischen Pianisten Kenny Werner in seinem Buch "Effortless Mastery" sehr gut. Diesen beschreibt er auch gut in Vorträgen, welche auf YOUTUBE nachzusehen sind. Ich werde einen Link in der Rubrik "LINKS - Videoclips" setzen und erlaube mir, seine Methode hier kurz vorzustellen.

Nach seinem Ansatz sind die meisten musikalischen Probleme psychischer Natur - hier die verbindung zu oben genannter Problemstellung - und diese psychischen Probleme in der Regel auf einen gemeinsamen Ausgangspunkt zurückzuführen: "The desire to sound good".

Diesem Bedürfnis gut zu klingen müsse man entgegenwirken, um frei zu sein, um Musik machen zu können ohne Gedanken an den nächsten hohen Ton oder noch schlimmer an den nächsten "Gickser". Aber wie kann man das schaffen?
Mit einer Selbstkonditionierung! Einfach ausgedrückt: Töne spielen und sich dabei Sachen denken wie "Mein Gott klingt das schön" oder "Hornspielen macht Freude" oder "Ich liebe Hornspielen".
Kenny Werner spielte als Übung Cluster am Klavier.

Sein Ansatz ist, dass man zu allererst einmal überzeugt davon sein muss, dass das, was man spielt, gut ist; dass es in Ordnung ist so, wie es ist. Diese Überzeugung ist der Ausgangspunkt. Erst von diesem Grundvertrauen in sich selbst kann man dann durch gezieltes Üben sein Spielen verbessern.

Es geht darum, dass das Musikmachen und die Arbeit mit dem Instrument von Grund auf mit positiven Gefühlen verbunden wird und eben nicht mit Angst oder Unsicherheit. Wenn diese Verbindung (Instrument = Wohlbefinden) nicht vorhanden ist, müsse man sie aufbauen.

Setz doch einmal dein Instrument an und beobachte dabei ganz bewusst deinen Körper ob/wie er sich verspannt. Du wirst staunen!

Ich empfehle das Buch "Effortless Mastery" bzw die Vorträge auf YOUTUBE wirklich jedem, der sich mit dem Musikmachen beschäftigt.

Weiters kann man ruhig auch Bücher über Yoga-Atmung (Vollatmung) und über das Unterbewusstsein lesen. Der Markt ist voll davon. Doch ACHTUNG vor Esoterik...

In diesem Sinne hoffe ich, dass ich einen konstruktiven Beitrag leistern konnte.
Von Medikamenten und Drogen rate ich ab.


13.08.2016 Wodan

Habe mich ganz einfach zum Spielen hingesetzt. Da unterbricht man die auf und ab strömenden Nervenbahnen etwas und kann die Stürze am Fuß - bei Bedarf - aufstellen. So habe ich solistisch auf der Bühne in der Oper gespielt. Immerhin ist man ja beim Falstaff ganz alleine und nur hin und wieder spielt dazu das Orchester.


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